Premananda
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War dein Erwachen in Lucknow, Indien?
Ja, ich war noch mit meiner russischen Frau zusammen. Wir waren seit ungefähr
zwei Jahren zusammen. Sie und ich reisten in den Norden Indiens. Zu der
Zeit war unser Verhältnis etwas wackelig, aber wir beide waren interessiert
daran, diesen Meister zu sehen. Wir kamen etwa im April 1992 an. Es war
unglaublich heiß, und wir hatten keine Ahnung, wie wir den Meister
finden könnten. Wir setzten uns auf eine Fahrrad-Rickshaw und sagten
dem Mann, er solle uns zu einem bestimmten Viertel von Lucknow bringen.
Er fuhr eine Ewigkeit, es schien nie aufzuhören, und als wir es nicht
mehr aushielten und heiß und verschwitzt waren und er halbtot vom
Radfahren, sagte ich "Stop, wir sehen nichts mehr, also halt an!"
Und da war dieser unglaubliche Moment. Als ich von der Rickshaw stieg,
fiel mein Blick auf den Namen am Tor des Hauses, und da stand "Poonja".
Ich dachte, "Mensch! Das muß der Ort sein!".
Eine Sekunde später, ich starrte noch das Haus an, kam Poonjaji selbst
auf das Tor zu, und ich lief gerade von der anderen Seite des Tores direkt
auf ihn zu. Wir trafen uns ganz natürlich beim Tor. Bevor ich zu
Atem kam oder meinen Geist sammeln konnte, es war alles so plötzlich
geschehen, sagte er zu mir, "Wo seid ihr abgestiegen? Wo sind eure
Taschen?" Was kann ich tun, um zu helfen?" So hatten wir diese
wunderschöne Begegnung, die vollkommen unerwartet und spontan war.
Also ließ ich mich da nieder und ging jeden Tag zu seinen Satsangs.
Kannst Du die Art der Beziehung beschreiben, die Du zu Papaji hattest?
Was ist das Wesentliche der Zeit, die Du mit ihm verbrachtest?
Da war eine riesige Offenheit, Verfügbarkeit. Osho war der Großmeister,
aber ziemlich weit weg. Ich hatte in den 15 Jahren, die ich mit ihm war,
nie ein persönliches Gespräch mit ihm. Ich hatte einige persönliche
Treffen, aber sie waren immer distanziert. Und plötzlich Poonjaji,
er war sehr erreichbar, es war sehr persönlich. Ich erinnere mich,
nachdem ich erst einige Tage da war, ging ich an einem Sonntag zu seinem
Haus, zum Mittagessen mit vielleicht zehn anderen Leuten in seinem Wohnzimmer.
Er saß da und war ungeheuerlich, fast schockierend offen und verfügbar.
Schockierend, weil seine Unmittelbarkeit mich damit konfrontierte: "Warum
bin ich hier?". Ich mußte wirklich hinsehen und fragen: "Was
mache ich hier?".
In den ersten drei Wochen saß ich täglich mit ihm im Satsang,
und drei Mal fragte ich etwas. Damals schrieb man die Fragen auf einen
Zettel und gab es vor dem Satsang ab,und dann öffnete er den Brief,
und du gingst vor und saßt mit ihm. Also hatte ich drei schöne
Begegnungen.
Bei dem dritten Treffen geschah etwas, das schwer zu beschreiben ist.
Man könnte sagen, daß ich mit erstaunlicher Klarheit sah, was
ich mit meinem Freund nicht hatte erkennen können, und was ich bis
zu diesem Moment niemals verstand. In den fünfzehn oder zwanzig Jahren
spiritueller Suche hatte ich dies nie gesehen. In jenem dritten Treffen
zeigte mir Papaji mit großartiger Endgültigkeit "Wer ich
war", es war das Ende des Weges. Zur selben Zeit, als dieses Verständnis
geschah, erlebte ich ein gewaltiges energetisches Phänomen. Ich erinnere
mich, daß ich vor ihm saß und plötzlich meine Augen nicht
öffnen konnte. Es war körperlich unmöglich, meine Augen
zu öffnen. Nach innen schauend, war da nur Weiße, und ich konnte
die Person, Premananda genannt, nicht finden. An seine Stelle waren Weiße,
Leere getreten. Es hielt ziemlich lange an. An einem gewissen Punkt öffnete
ich meine Augen, und Papaji begann, mir einfache Fragen zu stellen, später
verstand ich, das war seine Art, mich aus dem Phänomen zurück
in den Raum zu bringen.
Auf sehr sensible Weise brachte er mich dazu, mich neben ihn zu setzen
und gab mir Wasser zu trinken und beruhigte mich; wenn du so willst, brachte
er mich zur Erde zurück. Als ich nach innen schaute, war es, als
sei ich in diesen riesigen Raum verschwunden, und ich hatte das Gefühl,
als bewege ich mich spiralförmig abwärts in die Leere, ins Nichts.
Das Selbst hatte sich enthüllt, und es zeigte sich, daß dies
meine wahre Natur war, ich kannte sie bereits.
Würdest Du dieses Erlebnis als ein Erwachen beschreiben?
Ja, diese Begegnung markiert eine vollständige Veränderung in
meinem Leben. Es war, als ob auf der Stelle die Identifikation mit Premananda und der Geschichte von Premananda völlig abgeschnitten sei.
Tatsächlich verschwand Premananda für einige Tage oder Wochen
völlig (ich erinnere mich nicht). Von einem Augenblick zum nächsten
gab es eine riesige Veränderung, die ich nur als Erwachen zum Selbst
bezeichnen kann.
Nach deiner Erfahrung bliebst Du weiter in Papajis Gesellschaft, für
ungefähr fünf Jahre? Während andere ähnliche "Erwachen`s"erfahrungen
hatten und danach gingen, entschiedst Du Dich, in seiner Gesellschaft
zu bleiben?
Wenn ich zurückblicke, erinnere ich mich nicht. Doch ich glaube,
es gab gar keine Frage, zu gehen. In meinem persönlichen Fall, war
da ganz einfach keine Frage zu gehen. Ich war da, und es gab keine Frage.
In den nächsten Monaten geschahen viele spirituelle und energetische
Phänomene, und ich war einfach gegenwärtig. Dann ließ
die Hitze der Veränderung nach, und ich konnte wieder auf gewöhnlichere
Weise funktionieren. Es gab wieder einen gewissen Kontakt zu Premananda.
An diesem Punkt entschied ich, ein Haus zu mieten und mich niederzulassen,und
meine Dinge von Puna zu holen. Da war so viel Liebe für diesen Meister
und seine Gemeinschaft, es war mir nicht möglich zu gehen.
Schließlich verließ Papaji seinen Körper. War das,
als Du Indien verließest?
Nein, so war es nicht. Vorher hatte er mich gebeten, ein Gästehaus
zu betreiben und nach seinen Gästen zu schauen, also öffnete
ich ein ziemlich großes Gästehaus, möblierte es und wurde
der Gastgeber für Leute, die Papaji und die Gemeinschaft besuchten.
Ich machte das jahrelang, und während dieser Zeit baute ich eine
tiefe innere Beziehung zu Papaji auf. Ich verbrachte körperlich nicht
viel Zeit in seiner Gegenwart, sondern es gab einen sehr starken inneren
Dialog. Während dieser Periode kam alles von Premananda zurück.
All seine Probleme und vasanas (Zu- und Abneigungen des Verstandes) kamen
zurück, um angeschaut zu werden.
Ich stellte fest, daß ich sie leidenschaftslos anschauen konnte,
als ob ich nicht mehr so verhaftet mit ihnen war oder mit diesem Typ Premananda.
Also mit Papajis Hilfe, durch den inneren Dialog, war diese Zeit, als
ich das Gästehaus betrieb, auch eine Zeit, meinen Verstand zu reinigen.
Nach über vier Jahren gab es die Botschaft, zu gehen, der ich jedoch
stark widerstand. Premananda wollte nicht abreisen. Ich hatte es bequem.
Da war diese große Liebesblase, es war einfach schwer zu gehen.
Schließlich, als die Dinge sich gegen mich verschworen, um es klarer
zu machen, daß ich gehen sollte, reiste ich ab. Ich hatte die Wahl,
nach Australien zu gehen, wo ich noch nie gewesen war oder zurück
nach England. Ich konnte mich nicht entscheiden, aber schließlich
war ich auf dem Weg nach Australien. Ich lebte fünf Jahre dort, bis
Ende 2001. |