Premananda
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E: Du gibst
jetzt seit fünf Jahren Satsang? Was genau bedeutet Satsang, und was
bietest Du Menschen an, die zu deinen Satsangs kommen?
P: Also, das Wort "sat" bedeutet Wahrheit, Satsang meint eine Begegnung
in Wahrheit. Nachdem ich in Australien ankam, begann ich bald mit Leuten
zu arbeiten, anfangs unterrichtete ich Meditation und einige Heilkünste,
die ich kenne. Zur gleichen Zeit sah ich, daß ich diese einfache
Wahrheit teilen wollte, die mein Freund mir versucht hatte zu zeigen,
die Papaji mir schließlich zeigte, ich wollte es mit Leuten teilen.
Anfangs dachte ich, daß jedermann es würde wissen wollen. Ich
erinnere mich an meine ersten Tage in Sydney, ich lief herum und fühlte
mich, als hätte ich eine Tasche voller Diamanten. Ich wollte diese
Diamanten weitergeben und war erstaunt zu entdecken, daß niemand
sie wollte. Ich konnte keine Leute finden, um ihnen diese Diamanten zu
geben. Niemand war interessiert an dieser einfachen Wahrheit; sie waren
viel zu beschäftigt mit ihren Leben. Ich bekam einen Schock. Ich
fing an, Meditation zu unterrichten und andere Dinge und allmählich
kamen Schüler, und ich erkannte an einem bestimmten Punkt, daß,
was ich mit diesen Leuten teilte, mein Selbst war, das Selbst. Das wurde
mir allmählich klarer, und daß, obwohl sie nicht bewußt
an dieser Wahrheit interessiert waren, es sie zu mir gezogen hatte.
In der Nacht, in der Papaji seinen Körper verließ, am 7. September
1997, leitete ich gerade ein Reiki-Wochendseminar. Als er seinen Körper
verließ, war es etwa Mittagszeit in Australien. Ich war alleine
auf einen Spaziergang gegangen und hatte plötzlich dieses sehr kraftvolle
energetische Erlebnis und eine innere Mitteilung von Papaji, mit der ich
vertraut war, die mir sagte, daß ich etwas Bestimmtes tun sollte.
Ich war skeptisch diese Botschaft betreffend und konnte es nicht glauben,
obwohl die Botschaft über zwei Tage anhielt. Ich wußte nicht,
daß er seinen Körper verlassen hatte. Auf eine Art war das
der Anfang von Premananda bietet Satsang an. Andererseits ist es nach
und nach sehr natürlich geschehen durch die Arbeit, die ich tat.
Etwa vor fünf Jahren, erinnere ich mich, begann es mit ein paar meiner
Meditationsschüler. Ich sagte ihnen, daß ich ihnen mal etwas
anderes anbieten wollte. So kamen ungefähr sechs Leute zusammen in
jemandes Wohnung, und ich sprach über diese einfache Wahrheit. Sie
waren sehr berührt. Alles geschah sehr schnell. Bald waren da zwanzig
und dann kamen dreißig Leute. Auf einmal wurde uns ein Haus angeboten
für eine kleine Miete, so daß wir einen Platz für Satsangs
unserer Gemeinschaft haben könnten. Die Satsang Gemeinschaft strich
die Wände und stellte Kissen her und richtete es als Satsang Begegnungsplatz
her. Innerhalb von drei Monaten konnte die ganze Sache starten, und meine
Unterrichtsarbeit begann.
Und so hast Du damit begonnen, die Wahrheit, wie Du sie verstehst,
mitzuteilen. Was für eine Wahrheit ist das? Was versuchst Du die
Leute in Deinen Satsangs zu lehren?
Ich bitte die Menschen nur, einen Moment anzuhalten und ruhig zu werden
und zu schauen, und wenn sie schauen, bitte ich sie zu sehen, daß
sie seit vielen Jahren "Ich" gesagt haben. Der Bezugspunkt ihres
Lebens war "Ich", daher sehen sie die Welt von diesem Platz
des "Ich" aus. Ich versuche ihnen zu zeigen, daß, wenn
sie wirklich nachforschen, sie dieses "Ich" nicht finden können.
Sie haben den Glauben, daß da ein "Ich" ist und eine Beziehung
zu einer von dem Selbst getrennten Welt. Ihre Eltern und die Gesellschaft
haben diesen Glauben weitergegeben und verstärkt; die ganze Gesellschaft
unterstützt es. Ich versuche und zeige Menschen, daß es nicht
wahr ist, daß es ein falscher Glaube ist. Ich helfe Menschen, ein
wenig ruhig zu werden, so daß sie einen gewissen Freiraum haben,
wo die "Geschichte" nicht so drückt. In diesem Raum ist
es möglich, das Selbst zu erkunden und zu verstehen, daß in
der Tat dieser Glaube nicht die Wahrheit ist. Wenn das einmal klar gesehen
wird, dann ändert sich alles für diese Person.
Einer der traditionellen Wege, die Wahrheit des "Ich" zu
entdecken, ist Selbst-Befragung. Davon sprach Ramana Maharshi, und er
war der Lehrer Papajis. Kannst Du uns sagen, was Selbst-Befragung ist
und Schritt für Schritt, wie man sie macht, falls es tatsächlich
etwas zu machen gibt?
Es gibt bestimmte Voraussetzungen für Selbst-Befragung. Ramana Maharshi
selbst sagte, daß dies der direkteste Weg, das Selbst zu erkennen,
sei. Jedoch braucht es etwas Arbeit, etwas Zeit, den Verstand kennenzulernen
und zu beruhigen. Welche Methode auch immer man benutzt, wichtig ist,
zu einem "sattvic", einem reinen Verstand zu kommen, einem klaren
und friedvollen Verstand. Dies ist ein Verstand, der offen ist, die Wahrheit
zu verstehen. Die meisten Leute haben solch einen geschäftigen Verstand,
und sie sind so identifiziert mit ihren Geschichten, daß da ganz
einfach kein Raum ist, in welchem Selbst-Befragung geschehen kann. Wenn
Du Selbst-Befragung in jenem beschäftigten Zustand versuchst, wirst
du mit dem Verstand im Kreis gehen. Selbst-Befragung gelingt dann nicht.
Wenn du zu einem sattvigen Zustand gelangst, wenn du dir dann selbst die
Frage stellst "Wer bin ich?", dann beginnst du zu verstehen,
daß dieses "Ich", das "Ich", welches etwas tut,
das "Ich", das an Dinge glaubt und das "Ich", das
beurteilt, nicht wahr ist. Am Anfang ist Selbst-Befragung ein Weg tiefer
zu schauen. Sowie du tiefer schaust, wirst du herausfinden, daß
Befragung dich zu Stille und Frieden bringt (es bringt dich nicht zu irgendeiner
Art gescheiter Antwort).
Ist jene Befragung in der Hauptsache eine intellektuelle verbale Erkundung?
Oder ist es eine tiefere Gefühlsbefragung?
Es ist keine geistige Erkundung. Anfangs kann es eine geistige Erkundung
sein und durch diese kannst du dahin kommen, die Wahrheit zu sehen, daß
du nicht der Verstand bist, also anfangs mag es so gehn. Aber, wenn du
es aus einem reinen Zustand heraus beginnst, wirst du sehn, daß
es dich zu jenem friedvollen Platz in dir selbst bringt. Indem du herausfindest,
daß Selbsterkundung dich zu Frieden oder Leere bringt, kannst du
dem Verstand nicht mehr glauben. Du glaubst nicht länger diesem separatem
"Ich", dieser getrennten Identität. Du beginnst zu erkennen,
daß du Teil dieser Einheit, welche Selbst oder Gott genannt wird,
bist.
Die Erfahrung, die du früher in Papajis Gesellschaft hattest,
nanntest du ein Erwachen ,und jetzt bezeichnest du ein bestimmtes Erlebnis
als das Selbst oder das Wieder-Erkennen des Selbst. Gibt es einen Unterschied
zwischen einem Erwachen und dem Selbst und ist der Prozess stufenweise?
Mit anderen Worten, erwacht man erst und verliert es dann vielleicht gewissermaßen,
und dann nach einer Weile wird es tiefer und tiefer, bis man das Selbst
erkennt. Funktioniert es so?
Das war nicht meine Erfahrung. Ich habe mich viele Jahre vorbereitet,
diesen ruhigen Verstand zu erreichen, den sattvigen Zustand . Als ich
zu Papaji kam, wußte ich nicht, daß ich in diesem Zustand
war. Und doch, ich war fertig, ich war bereit. All die Arbeit war vollständig.
Es fehlte nur das Verständnis. Was in der Begegnung mit Papaji geschah,
in einem Augenblick, wie ein Blitz kam das Verständnis. Ich nenne
dieses Begreifen ein Erwachen zum Selbst. Es geschah vor zehn Jahren,
und der Kontakt mit dem Selbst ging nie verloren. Der Boden des Selbst
verschwand nie. Jener Moment mit Papaji war eine dramatische Veränderung..
Nichts grundsätzliches ist seither diesem Verstehen zugestoßen,
deshalb würde ich es ein Erwachen zum Selbst nennen.
Was geschehen ist seit jener Zeit, wie ich schon erwähnte, viele
von Premanandas Themen, Neigungen und Muster des Verstandes kehrten stark
zurück. Aber,weil da keine Identifikation war, konnten sie betrachtet
werden. In jenen letzten zehn Jahren gibt es weniger und weniger, das
den Kontakt mit dem Boden des Selbst stört.
Jetzt, zehn Jahre später, ist die Ausstrahlung oder Klarheit des
Selbst größer als es zu jener Zeit war, - nicht zum genauen
Zeitpunkt des Erwachens, sondern als zwei oder drei Monate später.
Ist diese zunehmende Ausstrahlung da, weil Du mit den Neigungen oder
"Vasanas" umgehen gelernt hast und sie nicht so hervorstechend
sind, wie sie mal waren?
Ich erinnere mich, als ich begann, Satsang anzubieten, zu jener Zeit fühlte
ich mich selbst sehr ruhig und klar. Also ich fühlte mich bereit,
auch wenn ich nach der ursprünglichen Botschaft noch einige Monate
widerstand. Nachdem ich mit Satsang begonnen hatte, war da eine enorme
Freude und Ausstrahlung nach jedem Treffen. Dann wachte ich am nächsten
Tag auf und fühlte mich zurückversetzt in den Schlamm, mit all
dem Zeug drumherum. Ich erinnere mich, daß ich fühlte, daß
dies nicht richtig sein kann, und daß ich die Treffen nicht machen
sollte, daß es irgendwie nicht korrekt war.
Ich war dabei, die Treffen zu stoppen, als ich zufällig Isaac traf,
der ein spiritueller Lehrer ist. Ich erzählte es ihm, und er sagte:
"Ja, das ist auch meine Erfahrung." Er ermutigte mich, weiterzumachen.
Das war vor vier oder fünf Jahren. Seitdem passierte es nicht mehr.
In diesen letzten paar Jahren tauchten die verschiedenen starken Neigungen
von Premanandas Verstand wieder auf, und durch das Gewahrwerden, daß
sie unwirklich sind, verschwanden sie, fielen sie weg.
Wenn Selbst-Erkenntnis so einfach ist, was hält Menschen davon
ab, ihr Selbst dauerhaft zu erkennen?
Zuallererst ist die Sache, die Leute davon abhält, daß die
Mehrheit der Menschheit vollständig verwickelt sind in ihre Geschichten,
und sie leben in einer Gesellschaft, welche diesen Mangel an Bewußtheit
unterstützt. Die Medien, ihre Freunde, Familien - jeder trägt
insgeheim dazu bei. Die meisten Menschen ziehen während ihres ganzen
Lebens niemals auch nur in Betracht, daß es da eine Alternative
geben könnte.
In meinem eigenen Fall, als ich über zwanzig war, hatte ich diese
Frage, also könntest du sagen, ich hatte nie eine andere Wahl als
ein Suchender zu sein. Die Frage mußte beantwortet werden. Aber
es scheint, daß die meisten Leute sehr zufrieden sind mit ihren
Leben, und sie stellen keine Fragen über Wahrheit. Eine sehr kleine
Gruppe von Menschen fragt und wird Suchende, "Suchende nach Wahrheit".
Es ist eine winzige Anzahl von Leuten und diese "Sucher nach Wahrheit"
finden sich von verschiedenen Lehrern und Lehren angezogen und von verschiedenen
Wegen. Einige von ihnen finden die Wahrheit, aber viele verirren sich.
Ich bin der festen Meinung, daß ein Lehrer benötigt wird, um
die Wahrheit zu finden. Warum werden einige Menschen zu solch einem Lehrer
hingezogen? Ich weiß es nicht. Ich kann wirklich nur das Wort Gnade
benutzen. Im Leben einiger Menschen arbeitet die Gnade, um jene zu einem
Lehrer zu bringen. Wenn ich mein Leben betrachte, fühle ich mich
unglaublich dankbar, daß ich zu Osho gebracht wurde, der mich wunderschön
vorbereitete und dann zu Papaji, der nach nur wenigen Wochen in der Lage
war, mir diese einfache Wahrheit zu zeigen. Ich fühle mich wirklich
gesegnet. Ich kann nicht sagen, daß Premananda das machte, weil
er tat es nicht!
Das ist eine ziemlich umstrittene Angelegenheit, diese Sache mit der
Gnade. Denn, wenn Gnade geschieht, einfach spontan, ohne daß man
etwas dazu beiträgt, besteht da überhaupt die Notwendigkeit
für einen spirituellen Schüler, zu praktizieren oder könnte
man einfach abwarten bis es geschieht? Gibt es etwas, das ein spirituell
Suchender tun kann, um Gnade zu begünstigen?
Das ist eine sehr schwierige Frage. Die absolute Wahrheit ist, daß
du nichts tun kannst, Gnade geschieht. Es gibt Bestimmung, - in meinem
eigenen Fall hatte ich vielleicht alles mögliche in meinen vergangenen
Leben getan, und irgendwie hatte die Gnade mich auf der Liste, und ich
wurde sehr schnell zu den richtigen Plätzen geführt. Wie gesagt,
ich würde sagen, daß es Dinge gibt, die man tun kann, die einen
auf den Spielplatz bringen. Sei Teil einer spirituellen Gemeinschaft,
habe einen spirituellen Meister, er wird dich ermutigen, ruhig zu werden
und zu schauen. Und wenn du ruhig wirst, fängst du an, diesen konditionierten
Verstand zu begreifen. Du beginnst zu sehen, wie sehr du mit deiner "Geschichte"
verhaftet bist.
Wenn du im Satsang eines wahren spirituellen Lehrers bist,- und mit wahr
meine ich jemanden, der das Selbst verwirklicht hat -, kannst du nicht
umhin zu sehen. In der Gegenwart eines spirituellen Lehrers dieser Größe
zu sein, ist niemals bequem. Das ist es, weshalb nur wenige Leute bei
einem Lehrer bleiben und zum Beispiel oft mehr Leute nach dem Tod eines
Lehrers kommen, als ihm lebendig gegenüberzutreten, - das ist ein
übliches Phänomen. Wenn es hinreichende Aufrichtigkeit gibt
und die Vorherbestimmung, die Gnade dich unterstützt, dann ist es
eine Frage der Zeit, daß du die Wahrheit klar erkennst.
Das bringt uns zu einem anderen umstrittenen Punkt, der Notwendigkeit
eines Guru. Ich glaube, alle großen Meister haben auf die Unumgänglichkeit,
einen Guru zu haben, hingewiesen. Siehst du das auch so?
Ohne Zweifel. Erstens, wirkliche Auslieferung an den Lehrer erinnert dich
immer daran, daß die Wahrheit möglich ist, daß es eine
Alternative gibt, eine andere Art zu leben. Er erinnert dich beständig
daran. Wenn Du in der Gesellschaft lebst, ohne Kontakt zu einem spirituellen
Lehrer oder einer spirituellen Gemeinschaft, dann kehrt die ganze Konditionierung,
die ganze Selbst-Hypnose, zurück, und du fokussierst wieder auf "Ich".
Wenn du in der Gegenwart eines Lehrers bist, nur einfach da bist, liegt
der Focus auf dem Selbst. Diese ständige Erinnerung, Ermahnung ist
sehr wertvoll. Zweitens, der Meister sorgt für den Spiegel. Obwohl
wir natürlich viele unserer Themen und Neigungen erkennen, einige
der schwierigeren und tiefschürfenderen Probleme kann man oft selbst
nicht sehen und braucht einen Spiegel. Drittens, der Meister liefert diese
enorme Fülle an bedingungsloser Liebe. In dieser Liebe hast du die
Nahrung, die du brauchst, um diese Dinge anzuschauen, welche schmerzlich
und schwierig sein können. Also ist die Liebe des Meisters sehr wichtig.
Der Meister hat noch zwei wichtige Aufgaben. Er kennt den Zeitpunkt, wenn
die Frucht reif ist und bereit zu fallen; er kann sie im richtigen Moment
abschlagen. In der Zen- Tradition gibt es viele Geschichten darüber,
wie der Meister dem Schüler im richtigen Moment etwas Heftiges, Unerhörtes
antut und der Schüler aufwacht. Das Bild vom Zen-Meister mit seinem
Stock. Letztlich bestätigt der Meister, daß das Erwachen tatsächlich
geschehen ist.
Wie siehst Du Dich selbst mit Deinen Schülern oder mit Menschen,
die ihre Zeit mit Dir verbringen? Betrachtest Du dich selbst als Guru,
Lehrer oder Freund?
Ich verstehe mich zuerst als Freund. Es gibt keinen wirklichen Unterschied
zwischen Lehrer und Schüler. Es gibt ein winzig kleines Verständnis,
daß der Lehrer hat und der Schüler nicht. Es geht mir am besten
als Freund. Der Guru ist von selbst da, weil ein Freund kommt, der an
der Wahrheit interessiert ist. Er kommt zu jemand, der fähig ist,
ihm die Wahrheit zu zeigen, also ist natürlich der Guru auch da.
Guru meint, jemand, der Licht in die Dunkelheit bringt.
Ich habe eine letzte Frage, und es ist wiederum eine sehr schwierige.
Kann das Selbst erfahren werden? Ist es eine Erfahrung oder ist es ein
Verständnis? Mit anderen Worten, Erfahrungen kommen und gehen, aber
das Selbst kommt oder geht nie.
Wenn das Ich da ist, kann das Selbst nicht da sein, und ich kann das Selbst
nicht erfahren. Jedoch kann das Ich verschwinden und für einen Moment
enthüllt sich das Selbst. Wenn der Verstand still oder ruhig ist,
kann das Ich verschwinden. Später kann der Verstand dann diese "Erfahrung
des Selbst" in Besitz nehmen.
Ich muß sagen,wenn das Selbst erfahren wurde, ist es noch im Verstand.
Es ist der Verstand, der das Selbst erfährt. Was ich meine, wenn
ich sage "ein Erwachen zum Selbst", ist etwas anderes, denn
da ist ein tiefes, inneres Wissen: "Ich bin das Selbst". In
der Tat, da gibt es kein Ich mehr, das Selbst zu erkennen. Da ist nur
Selbst - Sein. Es ist einfach gegenwärtig.
Ich glaube, fast jeder Mensch hat das Selbst schon erfahren. Ich glaube,
das ist ein häufiges Ereignis, daß Menschen ihr Selbst erlebten.
Zum Beispiel, du wanderst im Wald, die Sonne scheint, und ein Vogel fliegt
über dir, und der Schatten des Vogels streift einen Fels, und du
siehst den Schatten für einen Moment. In diesem Augenblick bleibt
der Verstand stehen, und du wirst der Hitze der Sonne gewahr, des Duftes
des Kiefernwaldes und des Schattens, alles in einem Augenblick. Du bist
vollkommen gegenwärtig, und das Selbst ist enthüllt. Da ist
dieses Gefühl von ungeheurer Ausdehnung und Frieden. Dies ist das
Selbst.
Ich denke, Leute begegnen häufig ihrem Selbst, aber manchmal geht
es sehr schnell vorbei. Die meisten Leute wissen gar nicht, daß
sie ihr Selbst erfahren haben, weil niemand ihnen sagte: "Dies ist
das Selbst". Obwohl die Erfahrung häufig ist, führt sie
Menschen nicht notwendigerweise zu einem spirituellen Leben.
Einige Menschen haben sehr starke Begegnungen mit dem Selbst. Sie können
vielleicht Stunden oder sogar tagelang nicht normal funktionieren, und
es ist so gewaltig, daß es sie dazu treibt, loszugehen und herauszufinden:
"Was ist das?". Eine Frau in Sydney war eines Tages in einem
Selbstbedienungsmarkt, um ihre Einkäufe zu erledigen. Plötzlich
fühlte sie, wie sie sich ausdehnte und so groß wie der Supermarkt
wurde. Sie war ganz bestürzt darüber. Sie fühlte sich unglaublich
friedvoll und auf eine Art entzückt, aber andererseits fühlte
sie sich so anders, - sie konnte sich selbst nicht mehr finden. Das alte
Selbst, die Geschichte, - sie konnte ihre Geschichte nicht mehr finden.
Davon war sie sehr beunruhigt und durcheinander, und im Grunde wünschte
sie, zum Normalen zurückzukehren.
Jemand brachte sie zu mir, und ich konnte sofort erkennen, daß sie
das Selbst erlebte. Sie war das Selbst. Wir sprachen miteinander, und
ich versuchte, sie zu ermutigen, es einfach zu akzeptieren, wie es war.
Aber innerhalb einer Woche, - ihr Wunsch normal und die Geschichte zu
sein, war so stark, - kehrte das eingeschränkte Selbst zurück.
Das war eine längere Begegnung mit dem Selbst. In der Tat, es kann
das Leben vollständig verändern. Das Selbst zu sein, paßt
mit der alten Geschichte nicht zusammen, so drängt es uns danach,
herauszufinden: "Was war das?", "War ich dabei, verrückt
zu werden?" "Brauche ich medizinische Hilfe?", "Brauche
ich einen spirituellen Lehrer?".
Kann dieses Erleben jederzeit wiedererlangt werden?
Du kannst diese Erfahrung nicht zurückbekommen oder danach suchen,
aber um dieses Erlebnis zu verstehen, kann es dich zu einem Meister führen.
Oder der Meister kommt in diesem Moment. In dem Falle dieser Frau, wurde
sie meine Schülerin. Für ein oder zwei Jahre verband sie sich
mit mir, und dann ging sie weiter zu anderen Lehrern. In ihrem Fall war
es einen radikale Veränderung ihres Lebens, es hörte nie auf.
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