BEGEGNUNG
mit Premananda

Satsang

Premananda spricht mit Eddie Blatte
Januar 2003 - Tiruvannamalai, Indien


Premananda

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HOMEPAGE

 

E: Du gibst jetzt seit fünf Jahren Satsang? Was genau bedeutet Satsang, und was bietest Du Menschen an, die zu deinen Satsangs kommen?
 
P: Also, das Wort "sat" bedeutet Wahrheit, Satsang meint eine Begegnung in Wahrheit. Nachdem ich in Australien ankam, begann ich bald mit Leuten zu arbeiten, anfangs unterrichtete ich Meditation und einige Heilkünste, die ich kenne. Zur gleichen Zeit sah ich, daß ich diese einfache Wahrheit teilen wollte, die mein Freund mir versucht hatte zu zeigen, die Papaji mir schließlich zeigte, ich wollte es mit Leuten teilen.
Anfangs dachte ich, daß jedermann es würde wissen wollen. Ich erinnere mich an meine ersten Tage in Sydney, ich lief herum und fühlte mich, als hätte ich eine Tasche voller Diamanten. Ich wollte diese Diamanten weitergeben und war erstaunt zu entdecken, daß niemand sie wollte. Ich konnte keine Leute finden, um ihnen diese Diamanten zu geben. Niemand war interessiert an dieser einfachen Wahrheit; sie waren viel zu beschäftigt mit ihren Leben. Ich bekam einen Schock. Ich fing an, Meditation zu unterrichten und andere Dinge und allmählich kamen Schüler, und ich erkannte an einem bestimmten Punkt, daß, was ich mit diesen Leuten teilte, mein Selbst war, das Selbst. Das wurde mir allmählich klarer, und daß, obwohl sie nicht bewußt an dieser Wahrheit interessiert waren, es sie zu mir gezogen hatte.
In der Nacht, in der Papaji seinen Körper verließ, am 7. September 1997, leitete ich gerade ein Reiki-Wochendseminar. Als er seinen Körper verließ, war es etwa Mittagszeit in Australien. Ich war alleine auf einen Spaziergang gegangen und hatte plötzlich dieses sehr kraftvolle energetische Erlebnis und eine innere Mitteilung von Papaji, mit der ich vertraut war, die mir sagte, daß ich etwas Bestimmtes tun sollte. Ich war skeptisch diese Botschaft betreffend und konnte es nicht glauben, obwohl die Botschaft über zwei Tage anhielt. Ich wußte nicht, daß er seinen Körper verlassen hatte. Auf eine Art war das der Anfang von Premananda bietet Satsang an. Andererseits ist es nach und nach sehr natürlich geschehen durch die Arbeit, die ich tat.
Etwa vor fünf Jahren, erinnere ich mich, begann es mit ein paar meiner Meditationsschüler. Ich sagte ihnen, daß ich ihnen mal etwas anderes anbieten wollte. So kamen ungefähr sechs Leute zusammen in jemandes Wohnung, und ich sprach über diese einfache Wahrheit. Sie waren sehr berührt. Alles geschah sehr schnell. Bald waren da zwanzig und dann kamen dreißig Leute. Auf einmal wurde uns ein Haus angeboten für eine kleine Miete, so daß wir einen Platz für Satsangs unserer Gemeinschaft haben könnten. Die Satsang Gemeinschaft strich die Wände und stellte Kissen her und richtete es als Satsang Begegnungsplatz her. Innerhalb von drei Monaten konnte die ganze Sache starten, und meine Unterrichtsarbeit begann.
 
Und so hast Du damit begonnen, die Wahrheit, wie Du sie verstehst, mitzuteilen. Was für eine Wahrheit ist das? Was versuchst Du die Leute in Deinen Satsangs zu lehren?
 
Ich bitte die Menschen nur, einen Moment anzuhalten und ruhig zu werden und zu schauen, und wenn sie schauen, bitte ich sie zu sehen, daß sie seit vielen Jahren "Ich" gesagt haben. Der Bezugspunkt ihres Lebens war "Ich", daher sehen sie die Welt von diesem Platz des "Ich" aus. Ich versuche ihnen zu zeigen, daß, wenn sie wirklich nachforschen, sie dieses "Ich" nicht finden können.
Sie haben den Glauben, daß da ein "Ich" ist und eine Beziehung zu einer von dem Selbst getrennten Welt. Ihre Eltern und die Gesellschaft haben diesen Glauben weitergegeben und verstärkt; die ganze Gesellschaft unterstützt es. Ich versuche und zeige Menschen, daß es nicht wahr ist, daß es ein falscher Glaube ist. Ich helfe Menschen, ein wenig ruhig zu werden, so daß sie einen gewissen Freiraum haben, wo die "Geschichte" nicht so drückt. In diesem Raum ist es möglich, das Selbst zu erkunden und zu verstehen, daß in der Tat dieser Glaube nicht die Wahrheit ist. Wenn das einmal klar gesehen wird, dann ändert sich alles für diese Person.
 
Einer der traditionellen Wege, die Wahrheit des "Ich" zu entdecken, ist Selbst-Befragung. Davon sprach Ramana Maharshi, und er war der Lehrer Papajis. Kannst Du uns sagen, was Selbst-Befragung ist und Schritt für Schritt, wie man sie macht, falls es tatsächlich etwas zu machen gibt?
 
Es gibt bestimmte Voraussetzungen für Selbst-Befragung. Ramana Maharshi selbst sagte, daß dies der direkteste Weg, das Selbst zu erkennen, sei. Jedoch braucht es etwas Arbeit, etwas Zeit, den Verstand kennenzulernen und zu beruhigen. Welche Methode auch immer man benutzt, wichtig ist, zu einem "sattvic", einem reinen Verstand zu kommen, einem klaren und friedvollen Verstand. Dies ist ein Verstand, der offen ist, die Wahrheit zu verstehen. Die meisten Leute haben solch einen geschäftigen Verstand, und sie sind so identifiziert mit ihren Geschichten, daß da ganz einfach kein Raum ist, in welchem Selbst-Befragung geschehen kann. Wenn Du Selbst-Befragung in jenem beschäftigten Zustand versuchst, wirst du mit dem Verstand im Kreis gehen. Selbst-Befragung gelingt dann nicht.
Wenn du zu einem sattvigen Zustand gelangst, wenn du dir dann selbst die Frage stellst "Wer bin ich?", dann beginnst du zu verstehen, daß dieses "Ich", das "Ich", welches etwas tut, das "Ich", das an Dinge glaubt und das "Ich", das beurteilt, nicht wahr ist. Am Anfang ist Selbst-Befragung ein Weg tiefer zu schauen. Sowie du tiefer schaust, wirst du herausfinden, daß Befragung dich zu Stille und Frieden bringt (es bringt dich nicht zu irgendeiner Art gescheiter Antwort).
 
Ist jene Befragung in der Hauptsache eine intellektuelle verbale Erkundung? Oder ist es eine tiefere Gefühlsbefragung?
 
Es ist keine geistige Erkundung. Anfangs kann es eine geistige Erkundung sein und durch diese kannst du dahin kommen, die Wahrheit zu sehen, daß du nicht der Verstand bist, also anfangs mag es so gehn. Aber, wenn du es aus einem reinen Zustand heraus beginnst, wirst du sehn, daß es dich zu jenem friedvollen Platz in dir selbst bringt. Indem du herausfindest, daß Selbsterkundung dich zu Frieden oder Leere bringt, kannst du dem Verstand nicht mehr glauben. Du glaubst nicht länger diesem separatem "Ich", dieser getrennten Identität. Du beginnst zu erkennen, daß du Teil dieser Einheit, welche Selbst oder Gott genannt wird, bist.
 
Die Erfahrung, die du früher in Papajis Gesellschaft hattest, nanntest du ein Erwachen ,und jetzt bezeichnest du ein bestimmtes Erlebnis als das Selbst oder das Wieder-Erkennen des Selbst. Gibt es einen Unterschied zwischen einem Erwachen und dem Selbst und ist der Prozess stufenweise? Mit anderen Worten, erwacht man erst und verliert es dann vielleicht gewissermaßen, und dann nach einer Weile wird es tiefer und tiefer, bis man das Selbst erkennt. Funktioniert es so?
 
Das war nicht meine Erfahrung. Ich habe mich viele Jahre vorbereitet, diesen ruhigen Verstand zu erreichen, den sattvigen Zustand . Als ich zu Papaji kam, wußte ich nicht, daß ich in diesem Zustand war. Und doch, ich war fertig, ich war bereit. All die Arbeit war vollständig. Es fehlte nur das Verständnis. Was in der Begegnung mit Papaji geschah, in einem Augenblick, wie ein Blitz kam das Verständnis. Ich nenne dieses Begreifen ein Erwachen zum Selbst. Es geschah vor zehn Jahren, und der Kontakt mit dem Selbst ging nie verloren. Der Boden des Selbst verschwand nie. Jener Moment mit Papaji war eine dramatische Veränderung.. Nichts grundsätzliches ist seither diesem Verstehen zugestoßen, deshalb würde ich es ein Erwachen zum Selbst nennen.
Was geschehen ist seit jener Zeit, wie ich schon erwähnte, viele von Premanandas Themen, Neigungen und Muster des Verstandes kehrten stark zurück. Aber,weil da keine Identifikation war, konnten sie betrachtet werden. In jenen letzten zehn Jahren gibt es weniger und weniger, das den Kontakt mit dem Boden des Selbst stört.
Jetzt, zehn Jahre später, ist die Ausstrahlung oder Klarheit des Selbst größer als es zu jener Zeit war, - nicht zum genauen Zeitpunkt des Erwachens, sondern als zwei oder drei Monate später.
 
Ist diese zunehmende Ausstrahlung da, weil Du mit den Neigungen oder "Vasanas" umgehen gelernt hast und sie nicht so hervorstechend sind, wie sie mal waren?
 
Ich erinnere mich, als ich begann, Satsang anzubieten, zu jener Zeit fühlte ich mich selbst sehr ruhig und klar. Also ich fühlte mich bereit, auch wenn ich nach der ursprünglichen Botschaft noch einige Monate widerstand. Nachdem ich mit Satsang begonnen hatte, war da eine enorme Freude und Ausstrahlung nach jedem Treffen. Dann wachte ich am nächsten Tag auf und fühlte mich zurückversetzt in den Schlamm, mit all dem Zeug drumherum. Ich erinnere mich, daß ich fühlte, daß dies nicht richtig sein kann, und daß ich die Treffen nicht machen sollte, daß es irgendwie nicht korrekt war.
Ich war dabei, die Treffen zu stoppen, als ich zufällig Isaac traf, der ein spiritueller Lehrer ist. Ich erzählte es ihm, und er sagte: "Ja, das ist auch meine Erfahrung." Er ermutigte mich, weiterzumachen. Das war vor vier oder fünf Jahren. Seitdem passierte es nicht mehr. In diesen letzten paar Jahren tauchten die verschiedenen starken Neigungen von Premanandas Verstand wieder auf, und durch das Gewahrwerden, daß sie unwirklich sind, verschwanden sie, fielen sie weg.
 
Wenn Selbst-Erkenntnis so einfach ist, was hält Menschen davon ab, ihr Selbst dauerhaft zu erkennen?
 
Zuallererst ist die Sache, die Leute davon abhält, daß die Mehrheit der Menschheit vollständig verwickelt sind in ihre Geschichten, und sie leben in einer Gesellschaft, welche diesen Mangel an Bewußtheit unterstützt. Die Medien, ihre Freunde, Familien - jeder trägt insgeheim dazu bei. Die meisten Menschen ziehen während ihres ganzen Lebens niemals auch nur in Betracht, daß es da eine Alternative geben könnte.
In meinem eigenen Fall, als ich über zwanzig war, hatte ich diese Frage, also könntest du sagen, ich hatte nie eine andere Wahl als ein Suchender zu sein. Die Frage mußte beantwortet werden. Aber es scheint, daß die meisten Leute sehr zufrieden sind mit ihren Leben, und sie stellen keine Fragen über Wahrheit. Eine sehr kleine Gruppe von Menschen fragt und wird Suchende, "Suchende nach Wahrheit". Es ist eine winzige Anzahl von Leuten und diese "Sucher nach Wahrheit" finden sich von verschiedenen Lehrern und Lehren angezogen und von verschiedenen Wegen. Einige von ihnen finden die Wahrheit, aber viele verirren sich.
Ich bin der festen Meinung, daß ein Lehrer benötigt wird, um die Wahrheit zu finden. Warum werden einige Menschen zu solch einem Lehrer hingezogen? Ich weiß es nicht. Ich kann wirklich nur das Wort Gnade benutzen. Im Leben einiger Menschen arbeitet die Gnade, um jene zu einem Lehrer zu bringen. Wenn ich mein Leben betrachte, fühle ich mich unglaublich dankbar, daß ich zu Osho gebracht wurde, der mich wunderschön vorbereitete und dann zu Papaji, der nach nur wenigen Wochen in der Lage war, mir diese einfache Wahrheit zu zeigen. Ich fühle mich wirklich gesegnet. Ich kann nicht sagen, daß Premananda das machte, weil er tat es nicht!
 
Das ist eine ziemlich umstrittene Angelegenheit, diese Sache mit der Gnade. Denn, wenn Gnade geschieht, einfach spontan, ohne daß man etwas dazu beiträgt, besteht da überhaupt die Notwendigkeit für einen spirituellen Schüler, zu praktizieren oder könnte man einfach abwarten bis es geschieht? Gibt es etwas, das ein spirituell Suchender tun kann, um Gnade zu begünstigen?
 
Das ist eine sehr schwierige Frage. Die absolute Wahrheit ist, daß du nichts tun kannst, Gnade geschieht. Es gibt Bestimmung, - in meinem eigenen Fall hatte ich vielleicht alles mögliche in meinen vergangenen Leben getan, und irgendwie hatte die Gnade mich auf der Liste, und ich wurde sehr schnell zu den richtigen Plätzen geführt. Wie gesagt, ich würde sagen, daß es Dinge gibt, die man tun kann, die einen auf den Spielplatz bringen. Sei Teil einer spirituellen Gemeinschaft, habe einen spirituellen Meister, er wird dich ermutigen, ruhig zu werden und zu schauen. Und wenn du ruhig wirst, fängst du an, diesen konditionierten Verstand zu begreifen. Du beginnst zu sehen, wie sehr du mit deiner "Geschichte" verhaftet bist.
Wenn du im Satsang eines wahren spirituellen Lehrers bist,- und mit wahr meine ich jemanden, der das Selbst verwirklicht hat -, kannst du nicht umhin zu sehen. In der Gegenwart eines spirituellen Lehrers dieser Größe zu sein, ist niemals bequem. Das ist es, weshalb nur wenige Leute bei einem Lehrer bleiben und zum Beispiel oft mehr Leute nach dem Tod eines Lehrers kommen, als ihm lebendig gegenüberzutreten, - das ist ein übliches Phänomen. Wenn es hinreichende Aufrichtigkeit gibt und die Vorherbestimmung, die Gnade dich unterstützt, dann ist es eine Frage der Zeit, daß du die Wahrheit klar erkennst.
 
Das bringt uns zu einem anderen umstrittenen Punkt, der Notwendigkeit eines Guru. Ich glaube, alle großen Meister haben auf die Unumgänglichkeit, einen Guru zu haben, hingewiesen. Siehst du das auch so?
 
Ohne Zweifel. Erstens, wirkliche Auslieferung an den Lehrer erinnert dich immer daran, daß die Wahrheit möglich ist, daß es eine Alternative gibt, eine andere Art zu leben. Er erinnert dich beständig daran. Wenn Du in der Gesellschaft lebst, ohne Kontakt zu einem spirituellen Lehrer oder einer spirituellen Gemeinschaft, dann kehrt die ganze Konditionierung, die ganze Selbst-Hypnose, zurück, und du fokussierst wieder auf "Ich". Wenn du in der Gegenwart eines Lehrers bist, nur einfach da bist, liegt der Focus auf dem Selbst. Diese ständige Erinnerung, Ermahnung ist sehr wertvoll. Zweitens, der Meister sorgt für den Spiegel. Obwohl wir natürlich viele unserer Themen und Neigungen erkennen, einige der schwierigeren und tiefschürfenderen Probleme kann man oft selbst nicht sehen und braucht einen Spiegel. Drittens, der Meister liefert diese enorme Fülle an bedingungsloser Liebe. In dieser Liebe hast du die Nahrung, die du brauchst, um diese Dinge anzuschauen, welche schmerzlich und schwierig sein können. Also ist die Liebe des Meisters sehr wichtig.
Der Meister hat noch zwei wichtige Aufgaben. Er kennt den Zeitpunkt, wenn die Frucht reif ist und bereit zu fallen; er kann sie im richtigen Moment abschlagen. In der Zen- Tradition gibt es viele Geschichten darüber, wie der Meister dem Schüler im richtigen Moment etwas Heftiges, Unerhörtes antut und der Schüler aufwacht. Das Bild vom Zen-Meister mit seinem Stock. Letztlich bestätigt der Meister, daß das Erwachen tatsächlich geschehen ist.
 
Wie siehst Du Dich selbst mit Deinen Schülern oder mit Menschen, die ihre Zeit mit Dir verbringen? Betrachtest Du dich selbst als Guru, Lehrer oder Freund?
 
Ich verstehe mich zuerst als Freund. Es gibt keinen wirklichen Unterschied zwischen Lehrer und Schüler. Es gibt ein winzig kleines Verständnis, daß der Lehrer hat und der Schüler nicht. Es geht mir am besten als Freund. Der Guru ist von selbst da, weil ein Freund kommt, der an der Wahrheit interessiert ist. Er kommt zu jemand, der fähig ist, ihm die Wahrheit zu zeigen, also ist natürlich der Guru auch da. Guru meint, jemand, der Licht in die Dunkelheit bringt.
 
Ich habe eine letzte Frage, und es ist wiederum eine sehr schwierige. Kann das Selbst erfahren werden? Ist es eine Erfahrung oder ist es ein Verständnis? Mit anderen Worten, Erfahrungen kommen und gehen, aber das Selbst kommt oder geht nie.
 
Wenn das Ich da ist, kann das Selbst nicht da sein, und ich kann das Selbst nicht erfahren. Jedoch kann das Ich verschwinden und für einen Moment enthüllt sich das Selbst. Wenn der Verstand still oder ruhig ist, kann das Ich verschwinden. Später kann der Verstand dann diese "Erfahrung des Selbst" in Besitz nehmen.
Ich muß sagen,wenn das Selbst erfahren wurde, ist es noch im Verstand. Es ist der Verstand, der das Selbst erfährt. Was ich meine, wenn ich sage "ein Erwachen zum Selbst", ist etwas anderes, denn da ist ein tiefes, inneres Wissen: "Ich bin das Selbst". In der Tat, da gibt es kein Ich mehr, das Selbst zu erkennen. Da ist nur Selbst - Sein. Es ist einfach gegenwärtig.
Ich glaube, fast jeder Mensch hat das Selbst schon erfahren. Ich glaube, das ist ein häufiges Ereignis, daß Menschen ihr Selbst erlebten. Zum Beispiel, du wanderst im Wald, die Sonne scheint, und ein Vogel fliegt über dir, und der Schatten des Vogels streift einen Fels, und du siehst den Schatten für einen Moment. In diesem Augenblick bleibt der Verstand stehen, und du wirst der Hitze der Sonne gewahr, des Duftes des Kiefernwaldes und des Schattens, alles in einem Augenblick. Du bist vollkommen gegenwärtig, und das Selbst ist enthüllt. Da ist dieses Gefühl von ungeheurer Ausdehnung und Frieden. Dies ist das Selbst.
Ich denke, Leute begegnen häufig ihrem Selbst, aber manchmal geht es sehr schnell vorbei. Die meisten Leute wissen gar nicht, daß sie ihr Selbst erfahren haben, weil niemand ihnen sagte: "Dies ist das Selbst". Obwohl die Erfahrung häufig ist, führt sie Menschen nicht notwendigerweise zu einem spirituellen Leben.
Einige Menschen haben sehr starke Begegnungen mit dem Selbst. Sie können vielleicht Stunden oder sogar tagelang nicht normal funktionieren, und es ist so gewaltig, daß es sie dazu treibt, loszugehen und herauszufinden: "Was ist das?". Eine Frau in Sydney war eines Tages in einem Selbstbedienungsmarkt, um ihre Einkäufe zu erledigen. Plötzlich fühlte sie, wie sie sich ausdehnte und so groß wie der Supermarkt wurde. Sie war ganz bestürzt darüber. Sie fühlte sich unglaublich friedvoll und auf eine Art entzückt, aber andererseits fühlte sie sich so anders, - sie konnte sich selbst nicht mehr finden. Das alte Selbst, die Geschichte, - sie konnte ihre Geschichte nicht mehr finden. Davon war sie sehr beunruhigt und durcheinander, und im Grunde wünschte sie, zum Normalen zurückzukehren.
Jemand brachte sie zu mir, und ich konnte sofort erkennen, daß sie das Selbst erlebte. Sie war das Selbst. Wir sprachen miteinander, und ich versuchte, sie zu ermutigen, es einfach zu akzeptieren, wie es war. Aber innerhalb einer Woche, - ihr Wunsch normal und die Geschichte zu sein, war so stark, - kehrte das eingeschränkte Selbst zurück.
Das war eine längere Begegnung mit dem Selbst. In der Tat, es kann das Leben vollständig verändern. Das Selbst zu sein, paßt mit der alten Geschichte nicht zusammen, so drängt es uns danach, herauszufinden: "Was war das?", "War ich dabei, verrückt zu werden?" "Brauche ich medizinische Hilfe?", "Brauche ich einen spirituellen Lehrer?".
 
Kann dieses Erleben jederzeit wiedererlangt werden?
 
Du kannst diese Erfahrung nicht zurückbekommen oder danach suchen, aber um dieses Erlebnis zu verstehen, kann es dich zu einem Meister führen. Oder der Meister kommt in diesem Moment. In dem Falle dieser Frau, wurde sie meine Schülerin. Für ein oder zwei Jahre verband sie sich mit mir, und dann ging sie weiter zu anderen Lehrern. In ihrem Fall war es einen radikale Veränderung ihres Lebens, es hörte nie auf.